Energiepreismodellierung in PANTA RHEI: Kraftstoffpreise im Fokus
Im nationalen Modell PANTA RHEI wurde eine neue, komponentenbasierte Modellierung der Energieverbrauchspreise implementiert, die eine systematische Zerlegung in Beschaffungskosten, Energie-, CO₂- und Umsatzsteuern sowie Netzentgelte bei Strom und Gas ermöglicht. Diese methodische Erweiterung erlaubt eine differenzierte Betrachtung der unterschiedlichen steuerlichen Rahmenbedingungen für Industrie, Gewerbe, Handel und Dienstleistungen (GHD) sowie Haushalte. Während Unternehmen beispielsweise die Umsatzsteuer als Vorsteuer abziehen können, tragen Haushalte die gesamte Abgabenlast. Die disaggregierte Modellierung schafft somit eine verbesserte Grundlage zur Analyse und Bewertung politischer Maßnahmen sowie kurzfristiger Preisschocks.
Der zugrunde gelegte Preisschock beim Rohöl orientiert sich für die Analyse der Kraftstoffpreise an den im World Economic Outlook (April 2026) des Internationalen Währungsfonds (IMF) beschriebenen Annahmen zu einem temporären globalen Ölpreisanstieg. Der Referenzpfad ohne Preisschock basiert auf den Annahmen des STEPS-Szenarios aus dem World Energy Outlook 2025 der Internationalen Energieagentur (IEA). Der Vergleich der Preispfade zeigt deutliche kurzfristige Preissteigerungen, insbesondere bei Diesel, sowie stärkere relative Belastungen in Industrie und GHD im Vergleich zu Haushalten. Mit der angenommenen Normalisierung der globalen Energiepreise verringern sich diese Unterschiede bis 2030 deutlich. Vergleiche mit beobachteten Tankstellenpreisen legen nahe, dass verbleibende Abweichungen vor allem auf nicht explizit modellierte Logistik-, Raffinations- und Betriebskosten der Tankstellen zurückzuführen sind.

Hembach-Stunden, K., Fehnker, D. & Lutz, C. (2026): Energiepreismodellierung in PANTA RHEI: Kraftstoffpreise im Fokus.
GWS-Kurzmitteilung 9/2026, Osnabrück.