Künstliche Intelligenz: potenzielle Effekte für den deutschen Arbeitsmarkt
Mit der vorliegenden Szenarioanalyse für einen Zeitraum von 15 Jahren wird untersucht, welchen Einfluss KI auf die Entwicklung von Wirtschaft und Arbeitsmarkt in Deutschland entfalten könnte.
Um Aussagen über potenzielle Effekte eines KI-Szenarios treffen zu können, müssen zunächst entsprechende Annahmen getroffen und anschließend das KI-Szenario mit einem Referenz-Szenario verglichen werden. Im KI-Szenario ist unterstellt, dass die notwendige Infrastruktur für die KI-Entwicklung und -Integration ausgebaut wird. Insbesondere muss in Rechenzentren ausreichend Rechenkapazität verfügbar sein. Zudem kommt KI je nach Branche zukünftig unterschiedlich stark zum Einsatz. So müssen von den Betrieben der jeweiligen Branchen unterschiedlich hohe Vorlaufinvestitionen getätigt werden. Dabei ist zu erwarten, dass die Wirkung des KI-Einsatzes je nach Branche unterschiedlich ausfällt. In manchen Branchen können Materialeinsparungen, in anderen Produktivitätssteigerungen oder neue Absatzmöglichkeiten realisiert werden. In vielen Branchen dürften diese Effekte auch in Kombination auftreten. Schließlich entwickeln auch andere Länder KI und wenden diese an. Für das KI-Szenario ist deshalb angenommen, dass die Wirkungen im Ausland insgesamt ähnlich ausfallen wie in Deutschland – mit den entsprechenden Effekten auf deutsche Importpreise.
Die Ergebnisse des IAB-Forschungsberichts 23/2025 in Kürze:
- Im KI-Szenario fällt das jährliche Wirtschaftswachstum um durchschnittlich 0,8 Prozentpunkte höher aus. Über 15 Jahre kumuliert könnten so 4,5 Billionen Euro an zusätzlicher Wertschöpfung erwirtschaftet werden.
- Gründe für das zusätzliche Wertschöpfungspotenzial liegen insbesondere in Materialeinsparungen, einer höheren Arbeitsproduktivität sowie neuen Geschäftsfeldern, die sich durch die KI eröffnen können.
- Die Zahl an Arbeitsplätzen liegt im KI-Szenario nach 15 Jahren insgesamt auf einem ähnlichen Niveau wie im Referenz-Szenario. Dennoch zeigen sich deutliche Verschiebungen am Arbeitsmarkt. So gibt es Wirtschaftsbereiche, in denen der Arbeitskräftebedarf steigt, während in anderen Bereichen Arbeitsplätze verloren gehen.
- Langfristig sind im KI-Szenario rund 1,6 Mio. Arbeitsplätze vom Strukturwandel betroffen, die über den Projektionszeitraum hinweg entweder auf- oder abgebaut werden.
- Gegenläufige Effekte auf die Beschäftigung gleichen sich insgesamt weitgehend aus: Einerseits ergeben sich positive Arbeitsmarkteffekte durch den Aufbau und Betrieb von Rechenzentren, eine günstige Importpreisentwicklung und vor allem durch neue Geschäftsmodelle. Andererseits werden durch eine höhere Vorleistungseffizienz und eine höhere Arbeitsproduktivität weniger Arbeitskräfte benötigt.
- Absolut betrachtet steigt der Arbeitskräftebedarf insbesondere bei IT- und Informationsdienstleistern durch KI zusätzlich, wohingegen der KI-bedingte Rückgang im Bereich der Unternehmensdienstleister am stärksten ausfällt.
- Während in der mittleren Frist der Arbeitskräftebedarf auf Spezialist:innenniveau am stärksten zurückgehen dürfte, werden in der langen Frist im Vergleich zwischen KI- und Referenz-Szenario vor allem weniger Expert:innen beschäftigt sein. Weniger stark betroffen sind Hilfs-, Anlern- und Fachkräfte.
