Nachwuchs für das Baugewerbe – ein aktueller Blick auf die Lehrlingszahlen im Bau- und Ausbauhandwerk

Zahl des Monats 8/2025

25.07.2025

Das Baugewerbe sieht sich bereits seit 2022 im Spannungsfeld zwischen niedrigen Auftragszahlen aufgrund hoher Bau- und Finanzierungskosten und dem weiterhin hohen Bedarf an zusätzlichem Wohnraum. Das Bundesinstitut für Bau-, Stadt und Raumplanung (BBSR) prognostizierte im Mai dieses Jahres in seiner Wohnungsbedarfsprognose einen jährlichen Bedarf von ca. 320 000 neuen Wohnungen pro Jahr bis 2030. Zudem spielt vor allem das Ausbaugewerbe für die erfolgreiche Erreichung der im Klimaschutzgesetz festgelegten Ziele eine entscheidende Rolle. So kommt es, dass auch in Zeiten einer schwachen Baukonjunktur ein Großteil der Betriebe plant, seinen Beschäftigtenstand zu halten und das Thema Fachkräftemangel nach wie vor für viele Betriebe eine Beeinträchtigung ihrer Tätigkeit bedeutet. Zudem gab es im Mai auch ermunternde Nachrichten vom Statistischen Bundesamt: Der Auftragseingang im Baugewerbe wuchs im Vergleich zum Mai 2024 um 5,3 %.

Unsere Zahl des Monats August beschäftigt sich mit der Frage, wie gut das Baugewerbe gegen den zukünftigen Fachkräftemangel gewappnet ist. Einen Indikator dafür kann das aktuelle Verhältnis von Erwerbstätigen zu Lehrlingen liefern. Liegt das Verhältnis bei 2,5, müssten die Erwerbstätigen der Branche durchschnittlich rund 40 Jahre arbeiten, um die Anzahl der Erwerbstätigen auch zukünftig konstant zu halten. Ist das Verhältnis kleiner, müsste theoretisch länger gearbeitet werden, um die Erwerbstätigenzahl konstant zu halten und ist es größer, wäre theoretisch eine kürzere Arbeitszeit möglich.

Im Folgenden schauen wir uns zunächst die Entwicklung des Erwerbstätigenzahlen im Baugewerbe an, bevor wir uns den Lehrlingszahlen im Bau- und Ausbauhandwerk widmen. Abschließend wird das Verhältnis von Lehrlingen je 100 Erwerbstätige sowohl auf Bundes- als auch auf Bundesländer-Ebene berechnet und dargestellt.

Schauen wir auf die bundesweite Entwicklung der Erwerbstätigenzahlen im Baugewerbe der letzten Jahre, so zeichnet sich zunächst ein positives Bild. Eine Auswertung der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung der Länder (VGRdL) ergab für den Zeitraum von 2014 bis 2024 ein Wachstum auf Bundesebene von rund 8,1 %. 2014 waren rund 2,4 Mio. Erwerbstätige im Baugewerbe tätig, 2024 rund 2,62 Mio. Auf Ebene der Bundesländer verlief die Entwicklung uneinheitlich. Während z. B. Schleswig-Holstein (+19,3 %), Hamburg (+20,8 %) und Berlin (+ 15,3 %) hohe prozentuale Zuwächse im betrachteten Zeitraum verzeichnen konnten, verlief die Entwicklung der Erwerbstätigenzahl im Baugewerbe in Sachsen (-10,1 %), Sachsen-Anhalt (-12,6 %) und Thüringen (-12,1 %) weiterhin rückläufig.

Eine aktuelle Auswertung der Lehrlingsstatistik des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) im Rahmen unserer Zahl des Monats ergab für den bundesweiten Lehrlingsbestand des Bau- und Ausbauhandwerks im Zeitraum von 2014 bis 2024 insgesamt einen Rückgang um 5,5 %. Verübten 2014 bundesweit noch knapp 57 500 junge Menschen eine Lehre in einem der Handwerke des Bau- und Ausbaugewerbes, waren es 2024 nur noch rund 54 300. Diese Entwicklung verläuft zwar gegenläufig zu den steigenden Erwerbstätigenzahlen im Baugewerbe, liegt aber im Trend von sinkenden Ausbildungszahlen im Handwerk allgemein. 2014 gingen noch rund 371 000 junge Menschen einer Lehre in einem Handwerksberuf nach und zehn Jahre später nur noch rund 342 100. Auch bei den Lehrlingszahlen des Bau- und Ausbaugewerbes verlief die Entwicklung auf Ebene der Bundesländer unterschiedlich. Während in den östlichen Bundesländern – z. B. Sachsen (+49,1 %), Mecklenburg-Vorpommern (+56,5,3 %) und Thüringen (+48,9 %) – sehr hohe prozentuale Zuwächse im betrachteten Zeitraum verzeichnet werden konnten, verlief die Entwicklung der Lehrlingszahlen in den westlichen Bundesländern – z. B. Bayern (-16,2 %), Rheinland-Pfalz (-15,9 %) und im Saarland (‑24 %) z. T. deutlich rückläufig. 

Nun betrachten wir das Verhältnis von Erwerbstätigen im Baugewerbe zu Lehrlingen in Berufen des Bau- und Ausbauhandwerks als Hinweis darauf, wie gut die Branche auf den Fachkräftemangel der Zukunft vorbereitet ist. [1] Im Jahr 2024 waren in Deutschland rund 2,62 Mio. Erwerbstätige im Baugewerbe und 54 300 Lehrlinge in den betreffenden Ausbildungsberufen zu verzeichnen. Dies ergibt ein Verhältnis von 2,1 Lehrlingen pro 100 Erwerbstätige.



 

Die Abbildung zeigt die regionale Verteilung des Indikators nach Bundesland. In z. B. Schleswig-Holstein (2,9), im Saarland (2,8) und in Bremen (2,7) besteht eine tendenziell gute Ausgangslage, um dem Fachkräftemangel zu begegnen. In Thüringen (1,6), Sachsen-Anhalt (1,4) und Sachsen (1,6) fällt das Verhältnis trotz positiver Lehrlingsentwicklung im Moment noch schlechter aus und den regional verorteten Betrieben des Baugewerbes wird es tendenziell schwerer fallen, die Anzahl der Erwerbstätigen konstant zu halten.
 


[1] In dieser Zahl des Monats wurden nur die in der Lehrlingsstatistik des ZDH unter „Bau-. und Ausbauhandwerk“ gelisteten Lehrlingszahlen ausgewertet. Tatsächlich setzen sich die Erwerbstätigen im Baugewerbe auch noch aus anderen Handwerken wie z. B. Elektro- und Metallhandwerke zusammen. Somit ist die für das Baugewerbe relevante Lehrlingszahl tatsächlich größer und der berechnete Indikator nur als Annäherung an das wahre Verhältnis zu verstehen.

 

Weitere Beiträge der Serie „Zahl des Monats“ finden Sie hier.

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