Arbeit und Qualifizierung in der sozialökologischen Transformation.
Plassenberg, J., Thobe, I., Wolter, M. I., Binnewitt, J., Helmrich, R., Maier, T., Schroer, J. P., Röttger, C., Zika, G., Saleh, F., de Saussure, M. & Bovenschulte, M. (2026): Arbeit und Qualifizierung in der sozialökologischen Transformation. Endbericht. Umwelt, Innovation, Beschäftigung 01/2026, Umweltbundesamt, Dessau-Roßlau.Abstract
2045 bringt tiefgreifende strukturelle Veränderungen mit sich, die zentrale Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt, die berufliche Bildung und Qualifizierung haben werden. Diese Studie identifiziert Schlüsselbranchen und -berufe, die besonders von der Transformation betroffen sind oder sie aktiv gestalten. Analysiert wurden unter anderem Stellenanzeigen, Unternehmensbefragungen, Erwerbstätigendaten sowie Expert*inneninterviews. Zu den identifizierten Transformationsberufen gehören unter anderem Berufe aus den Bereichen Maschinenbau, Energie- und Elektrotechnik, Bauplanung und Architektur. In diesen Berufen herrscht bereits heute ein akuter Fachkräftemangel oder es wird für die Zukunft ein Engpass erwartet. Dieser kann sich durch den zunehmenden Transformationsdruck weiter verschärfen. Dabei zeigt sich, dass verschiedene Transformationsprozesse auf dieselben Berufe angewiesen sind. Für Beschäftigte in diesen Berufen eröffnet dies Möglichkeiten, führt jedoch auf gesamtwirtschaftlicher Ebene zu kritischen Engpässen und gefährdet das Gelingen der Transformation. Zu diesen sogenannten Flaschenhalsberufen zählen insbesondere Tätigkeiten in der Architektur und Bauplanung, deren begrenzte Verfügbarkeit nachgelagerte Prozesse verzögern. Zu den Branchen, die eine zentrale Rolle bei der Transformation einnehmen und zugleich maßgeblich auf die identifizierten Transformationsberufe angewiesen sind, gehören der Maschinenbau, die Herstellung von Kraftwagen und Kraftwagenteilen, das Baugewerbe, die Energieversorgung, die Herstellung von Datenverarbeitungsgeräten sowie Architektur- und Ingenieurbüros und technische Untersuchung.
Die sozial-ökologische Transformation gelingt nur, wenn der Arbeitsmarkt aktiv mitgestaltet wird, denn die Studie zeigt, dass Marktkräfte und technologische Innovationen allein nicht ausreichen. Es braucht gezielte politische Steuerung, institutionelle Rahmensetzung sowie Investitionen in Qualifizierung, Ausbildung und die Qualität von Arbeit. Ein ganzheitlicher Blick auf Arbeitsmarkt und Bildungssystem ist dabei unerlässlich: Statt einzelne Berufe isoliert zu priorisieren, gilt es, das Qualifizierungs- und Beschäftigungssystem in seiner Gesamtheit zu stärken. Erforderlich ist eine differenzierte Arbeitsmarktpolitik, die sowohl sektorübergreifende Entwicklungsperspektiven als auch die regionale Passung berücksichtig und zentrale Berufsgruppen dort gezielt fördert, wo sie gebraucht werden. Vor diesem Hintergrund formuliert die Studie konkrete Empfehlungen für eine integrierte Fachkräfte- und Strukturpolitik: Dazu zählen unter anderem der Ausbau berufsbezogener Weiterbildung, die curriculare Modernisierung der beruflichen Bildung, die Förderung guter Arbeitsbedingungen sowie die Weiterentwicklung des Fachkräftemonitorings.
