Zollpolitik EU/Indien – Bestandsaufnahme und Perspektiven eines EU/Indien-Freihandelsabkommens.
Schubert, D. & Mönnig, A. (2025): Zollpolitik EU/Indien – Bestandsaufnahme und Perspektiven eines EU/Indien-Freihandelsabkommens. GWS-Kurzmitteilung 10/2025, Osnabrück.Abstract
Gerade die deutsche exportorientierte Industrie könnte durch ein Freihandelsabkommen zwischen der EU und Indien langfristig profitieren und andernorts sinkende Umsätze kompensieren. Die Verhandlungen über ein solches umfassendes EU/Indien-Freihandelsabkommen begannen bereits 2007, wurden jedoch 2013 ausgesetzt, da grundlegende Differenzen bei Zollsenkungen, Marktzugang sowie bei Nachhaltigkeits- und Arbeitsstandards unüberwindbar schienen. Am 17. Juni 2022 beschlossen beide Seiten, die Gespräche wiederaufzunehmen. Parallel dazu laufen Verhandlungen über ein Investitionsschutzabkommen (IPA) und ein Abkommen zu geografischen Herkunftsangaben (GI). Politisch wurde mehrfach betont, dass ein Abschluss noch 2025 erfolgen sollte, dies aber nicht realisiert werden konnte.
Die Wiederaufnahme der Verhandlungen ist in einen veränderten geopolitischen Kontext eingebettet. Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine seit 2022, aber auch die Abhängigkeit europäischer Lieferketten von China haben die EU zu einer Politik des „De-Risking“ veranlasst, bei der Abhängigkeiten durch Diversifikation reduziert werden sollen. Indien gilt in diesem Zusammenhang als zentraler strategischer Partner.
Auch Indien selbst hat in den letzten Jahren seine Freihandelspolitik intensiviert. Wichtige Abkommen waren jenes mit den EFTA-Staaten Island, Liechtenstein, Norwegen und der Schweiz, das am 10. März 2024 unterzeichnet wurde, ebenso wie das Australien/Indien-Abkommen, das seit dem 29. Dezember 2022 in Kraft ist, sowie das Abkommen mit den Vereinigten Arabischen Emiraten (seit 1. Mai 2022 in Kraft). Jüngst kam mit dem Vereinigten Königreich am 24. Juli 2025 ein bilaterales Freihandelsabkommen hinzu. Zusammengenommen zeigt dies, dass Indien bereit ist, umfassendere Marktöffnungen einzugehen und sie liefern der EU wertvolle Referenzpunkte für die laufenden Gespräche.
Vor dem Hintergrund dieser langwierigen und politisch vielschichtigen Verhandlungen stellt sich die Frage, in welchen konkreten Bereichen die größten wirtschaftlichen Potenziale, aber auch strukturellen Barrieren bestehen. Um diese Frage zu beantworten, konzentriert sich die vorliegende Analyse insbesondere auf die tarifären Handelshemmnisse zwischen der EU und Indien und untersucht deren mögliche Reduktion im Rahmen eines Freihandelsabkommens.
