Unsere Zahl des Monats 05/2022: Starker Holzpreisanstieg durch weltweit steigende Nachfrage, Lieferengpässe und Handelsembargos

Forstwirtschaft und Sägewerke profitieren

Nachdem sowohl die Rohholzpreise als auch die industriellen Erzeugerpreise für Holz in Deutschland über Jahre stagnierten bzw. sich von Mitte 2018 bis Ende 2020 rückläufig entwickelten, erleben die Holzpreise einen dynamischen Anstieg. Wie die Grafik zeigt, profitiert die Forstwirtschaft seit Anfang 2021 von deutlichen Preissteigerungen für Rohholz insgesamt (dunkelgrüne, gestrichelte Kurve). Dabei konnten für Fichtenholz (hellgrüne Kurve) seit Mitte 2021 über 50 % höhere Umsätze pro Raummeter erzielt werden als im Jahr zuvor. Zusammen mit Tanne und Douglasie nahm es zuletzt rund drei Viertel des gesamten Holzeinschlages aus deutschen Wäldern ein.

 

Da sich auch fossile Energien – allen voran Öl und Gas – zuletzt u. a. durch den Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine stark verteuert haben, steigen Holzprodukte zur Energieerzeugung (blaue Kurve) am aktuellen Rand ebenfalls mit wachsender Dynamik (Feb. 2022 +45,7 % vs. Vorjahr). Besonders hohe Erzeugerpreissteigerungen konnten die Sägewerke (WZ 16.1) seit Mitte 2021 für gesägtes und gehobeltes Holz (rote Kurve) mit durchgehend fast 50 % und mehr realisieren. In der Spitze verdoppelte sich der Erzeugerpreis in dieser industriellen Vorstufe der Holzverarbeitung sogar im August 2021.

Starke Exportnachfrage und Lieferkettenprobleme lassen Preise steigen

Noch stärker als die Forstbetriebe (WZ 02) profitierte die Holzindustrie (WZ 16) durch eine stark gestiegene weltweite Holznachfrage – mit einem Umsatzplus von 22 % im Jahr 2021 insgesamt bzw. über 40 % im Exportsektor. Joe Biden legte nach Amtsantritt im Januar 2021 ein Bau-Konjunkturprogramm auf, das zusammen mit pandemiebedingten Lieferkettenproblemen und Handelsstreitigkeiten v. a. mit Kanada zu einem exponentiellen Anstieg der Holzexporte Deutschlands in die USA führte. Unterbrochene bzw. verzögerte Lieferketten durch fehlende Frachtschiffe im internationalen Seeverkehr (v. a. von und nach Asien) verstärkten die Holzknappheit während der Pandemie und waren damit ein weiterer Preistreiber für Holz.

Bauwirtschaft und holzverarbeitende Industriezweige leiden

Darunter leidet besonders die heimische Bauwirtschaft, deren Bedarf nach dem nachwachsenden Rohstoff in den letzten Jahren stark gestiegen ist. Holzhäuser liegen aufgrund ihrer Vorteile im Hinblick auf Umweltfreundlichkeit, Nachhaltigkeit und – zumindest bis zum Jahr 2020 – niedrigeren Herstellkosten im Vergleich zur klassischen Beton-/ Steinbauweise im Trend. Entsprechend verteuern sich auch die Erzeugerpreise in der nachgelagerten, holzverarbeitenden Industrie. Am aktuellen Rand muss für industrielle Holzprodukte insgesamt (orange Kurve) weiterhin über ein Drittel mehr gezahlt werden als noch vor Jahresfrist. Auch für andere Industriezweige wie die Möbelhersteller und die Papierindustrie, welche Zellstoff aus Holz als Rohstoff benötigt, führt die Holzknappheit teilweise zu Produktionsengpässen und der starke Holzpreisanstieg belastet die Ertragslage der Unternehmen.

Holzhandelsembargo Russlands verschärft Knappheit

Durch den seit Anfang 2022 geltenden Holz-Exportstopp Russlands verschärft sich die Holzknappheit auf den Weltmärkten weiter. Denn 2021 war Russland mit rund 5,8 Mrd. US$ bzw. einem Anteil von knapp 50 % des gesamten Forst- und Holzexportwertes die größte Holz-Exportnation. Mit einer Aufhebung des Embargos gerade für westliche Nationen ist angesichts des aktuellen Krieges Putins kaum zu rechnen. Kurz- bis mittelfristig dürften die Holzpreise daher auf hohem Niveau verweilen bzw. weiter steigen.

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