Unsere Zahl des Monats 08/2022: Eine Entwicklung gegen den Trend: Wachstum des Lehrlingsbestandes für den Beruf Anlagenmechaniker/-in für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik in der letzten Dekade

Sowohl die Wärmepumpenoffensive der Bundesregierung als auch die durch den Krieg Russlands gegen die Ukraine stark steigenden Energiepreise erhöhen aktuell die Nachfrage nach Wärmepumpen und Solarthermieanlagen enorm. Somit rücken auch die Fachkräfte des Sanitär- und Heizungsbaus ins Zentrum des Interesses, da sie für Installation und Wartung der Geräte unverzichtbar sind.

Das Statistische Bundesamt berichtet aktuell allerdings von einem Rückgang der Erwerbstätigen in Berufen des Sanitär- und Heizungsbaus (Anlagenmechaniker/-in für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik oder Ofen- und Luftheizungsbauer/-in) in den letzten zehn Jahren: Waren 2012 knapp 303 000 Erwerbstätige in einem der relevanten Berufe beschäftigt, waren es 2021 noch rund 275 000. Dies stellt einen Rückgang von 9,4 % dar. Zudem stellten die Statistiker/-innen des Bundesamtes fest, dass mehr als jeder fünfte Erwerbstätige in den Berufen des Sanitär- und Heizungsbaus in naher Zukunft aus Altersgründen aus dem Berufsleben ausscheiden könnte. So waren 22,4 % der Erwerbstätigen 2021 bereits zwischen 55 und 64 Jahren alt.

Eine Entwicklung gegen den Trend zeichnet sich hingegen beim Lehrlingsbestand ab:

Eine Auswertung der Lehrligsstatistik des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) im Rahmen unserer Zahl des Monats ergab, dass der Lehrlingsbestand für den Beruf Anlagenmechaniker/-in für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik bundesweit im Zeitrum von 2011 bis 2021 um 23,2 % angestiegen ist. 2011 verübten bundesweit rund 31 600 junge Menschen eine Lehre in diesem Beruf und 2021 waren es bereits über 39 000. Diese Entwicklung verläuft nicht nur gegenläufig zur sinkenden Erwerbstätigenzahl in der Berufsgruppe, sondern auch entgegen dem Trend von sinkenden Ausbildungszahlen im Handwerk allgemein. Gingen 2011 noch rund 417 000 junge Menschen einer Lehre in einem Handwerksberuf nach, waren es 2021 nur noch knapp 360 000. Dies entspricht einem Rückgang von 13,7 % im betrachteten Zeitraum.

In Anbetracht der Entwicklung des Lehrlingsbestandes im Beruf Anlagenmechaniker/-in für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik differenziert nach Bundesländern ergeben sich deutliche Unterschiede bezüglich der Wachstumsraten im betrachteten Zeitraum von 2011 bis 2021: Wie in der unten stehenden Grafik zu sehen ist, verzeichnet der Lehrlingsbestand des betrachteten Berufs in Sachsen das größte prozentuale Wachstum von 87 %. Im Saarland ist hingegen eine rückläufige Entwicklung zu verzeichnen. Hier verringerte sich der Lehrlingsbestand um 10,1 %. Insgesamt fällt auf, dass die größten prozentualen Zuwächse in den östlichen Bundesländern liegen. Neben Sachsen verzeichneten auch Mecklenburg-Vorpommern (+58,6 %), Brandenburg (+53,5 %) und Thüringen (+ 35 %) hohe Wachstumsraten. Die Wachstumsraten in Nordrhein-Westfalen (+23 %) und Bayern (+24,9 %) verlaufen ungefähr im Bundestrend, während sich der Lehrlingsbestand in Rheinland-Pfalz (+4,7 %) und Schleswig-Holstein (+4,5 %) deutlich unterdurchschnittlich entwickelt.

Die hohen prozentualen Wachstumsraten lassen sich zum einen durch die relativ geringe Anzahl der Lehrlinge in den Bundesländern mit sehr hohen Wachstumsraten zu Beginn des betrachteten Zeitraums im Jahr 2011 erklären. In Mecklenburg-Vorpommern z. B. reicht ein absoluter Zuwachs von 194 Lehrlingen zwischen 2011 und 2021 für eine Wachstumsrate von über 58 %. Zum anderen könnten die unterschiedlichen Entwicklungen in den Bundesländern der für eine Lehre relevanten Altersgruppe (15–21 Jahre) in der Bevölkerung das unterschiedlich starke Wachstum erklären. Während die Gruppe der 15- bis 21-Jährigen bspw. im Saarland zwischen 2011 und 2021 um 18,5 % zurückgegangen ist, wuchs die Anzahl der Jugendlichen in dieser Altersgruppe in Sachsen um 20,2 % an. Ähnlich positive Entwicklungen dieser Altersgruppe zeigen sich im betrachteten Zeitraum auch in Mecklenburg-Vorpommern (+11,8 %), Brandenburg (+16,6 %) und Thüringen (+10,5 %), während z. B. Rheinland-Pfalz (-14 %) und Schleswig-Holstein (-7,9 %) eine rückläufige Anzahl der 15- bis 21-Jährigen im betrachteten Zeitraum zu verzeichnen haben.

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